Sumai

Der Begriff Sumai (相撲) bezeichnet die historische Urform des heutigen japanischen Ringkampfs Sumō. Seine Entstehung reicht von shintoistischen Riten und altjapanischen Mythen bis hin zu den Vorführungen am kaiserlichen Hof.

1. Etymologie und Wortursprung

  • Bedeutung: Das gesprochene Wort sumō geht auf das altjapanische Verb sumafu bzw. sumau zurück, was schlicht „wettstreiten“ oder „gegeneinander kämpfen“ bedeutet.
  • Der Begriff Sumai: In der Heian-Zeit etablierte sich der Ausdruck Sumai no Sechi (相撲の節) für die Ringerwettbewerbe am kaiserlichen Hof. Die Kanji-Zeichen (相撲) bedeuten wörtlich „sich gegenseitig schlagen/anfassen“. Im Laufe der Jahrhunderte schliff sich die Aussprache von Sumai zu Sumō ab.

2. Mythologische Wurzeln und Frühzeit

  • Götterkampf in den Chroniken: Die frühesten schriftlichen Erwähnungen finden sich in den Werken Kojiki (712 n. Chr.) und Nihon Shoki (720 n. Chr.). Dort wird geschildert, wie die Götter Takemikazuchi und Takeminakata in einem Ringkampf um die Herrschaft über die japanischen Inseln stritten.
  • Der erste legendäre Zweikampf: Als erster historisch überlieferter Kampf unter Menschen gilt das Duell zwischen Nomi no Sukune und Taima no Kehaya vor dem Kaiser (ca. 23 v. Chr.). Damals war Sumai noch eine kompromisslose, rohe Form des Nahkampfs, bei der auch Tritte und Schläge erlaubt waren.

3. Die Höfische Epoche: Sumai no Sechi-e (Nara- & Heian-Zeit)

  • Kaiserliches Ritual: Ab dem 8. Jahrhundert (Nara-Zeit) wandelte sich Sumai von einer rohen Kampfkunst zu einem höfischen Zeremoniell.
  • Regelreform: Unter Kaiser Shōmu wurden Faustschläge und Tritte verboten, um Verletzungen zu vermeiden und den sportlich-ritualisierten Charakter zu betonen.
  • Rekrutierung der Ringer: Gesandte reisten durch die Provinzen Japans, um die stärksten Männer (Sumaibito) an den Kaiserhof zu bringen. Die Kämpfe fanden jährlich im Herbst statt und dienten sowohl der Unterhaltung des Adels als auch als shintoistisches Dankritual für eine gute Ernte.

4. Wandel zum Krieger-Training und Profisport

  • Mittelalter (Kamakura- & Sengoku-Zeit): Mit dem Aufstieg des Standes der Samurai verlor der kaiserliche Hof an Macht. Sumai wandelte sich zum Buke-zumō – einer praxisnahen Nahkampfausbildung für Krieger auf dem Schlachtfeld.
  • Edo-Zeit (1603–1867): Nach dem Ende der Bürgerkriege entwickelte sich aus den Straßenkämpfen das zivile Unterhaltungsspektakel. Es entstanden feste Regeln, der abgegrenzte Lehmring (Dohyō), das Ligasystem sowie die Berufsringer – die Geburtsstunde des modernen Ōzumō.