Die japanischen Kampfkünste werden traditionell in zwei Hauptkategorien unterteilt: Koryū (alte, klassische Schulen, die meist vor der Meiji-Restauration 1868 entstanden sind) und Gendai Budō (moderne Kampfkünste, die nach 1868 entwickelt wurden und oft einen starken sportlichen oder pädagogischen Charakter haben).
1. Gendai Budō (Moderne Kampfkünste)
Diese Systeme entstanden im späten 19. und 20. Jahrhundert. Sie dienen heute meist der Selbstverteidigung, dem Sport oder der Persönlichkeitsentwicklung.
- Karate-Dō (空手道) – Weg der leeren Hand: Waffenlose Kunst mit Schwerpunkten auf Tritten, Stößen und Blöcken (bekannte Stile: Shotokan, Goju-Ryu, Shito-Ryu, Wado-Ryu, Kyokushin).
- Jūdō (柔道) – Sanfter Weg: Entwickelt aus dem Jujutsu, mit Fokus auf Würfe, Hebel, Würgegriffe und Bodenkampf.
- Aikidō (合気道) – Weg zur Harmonie der Kräfte: Defensiver Kampfstil, der die Energie des Angreifers nutzt, um ihn durch Kreisbewegungen, Hebel und Würfe außer Gefecht zu setzen.
- Kendō (剣道) – Weg des Schwertes: Moderner Fechtsport mit Bambusschwertern (Shinai) und Schutzkleidung (Bōgu).
- Iaidō (居合道) – Kunst des Schwertziehens: Fokus auf das schnelle Ziehen des Schwertes und den sofortigen Schnitt aus einer friedlichen Position heraus.
- Kyūdō (弓道) – Weg des Bogens: Traditionelles japanisches Bogenschießen, das stark von meditativer Präzision und Formdisziplin geprägt ist.
- Shorinji Kempo (少林寺拳法) – Japanische Interpretation des Shaolin-Kung-Fu: Kombiniert Schlag- und Tritttechniken mit Befreiungen, Hebeln und Akupressurpunkten.
- Naginatadō (薙刀道) – Kampf mit der Hellebarde (Naginata): Ursprünglich von den Frauen der Samurai und Fußsoldaten genutzt, heute als moderner Kampfsport betrieben.
- Jōdō (杖道) – Weg des Kurzstocks: Kampftechnik mit dem ca. 1,28 m langen Holzstock (Jō), meist zur Abwehr von Schwertangriffen.
- Jūkendō (銃剣道) & Tanken-dō (短剣道) – Bajonett- und Dolchkampf: Aus militärischen Nahkampfsystemen hervorgegangene Disziplinen.
- Taidō (躰道) – Moderner Stil mit dreidimensionalen Bewegungen (Medaillen/Akrobatik im Raum).
- Sumō (相撲) – Japanischer Ringsport: Der jahrhundertealte, traditionelle Nationalsport Japans mit tiefen Wurzeln im Shintoismus.
2. Koryū (Klassische/Traditionelle Kampfkünste)
Diese historischen Stile (vor 1868) umfassen oft komplexe Gesamtsysteme (Bugei oder Bujutsu), die sowohl waffenlose als auch bewaffnete Techniken für das Schlachtfeld lehrten.
Waffenlose / Nahkampf-Disziplinen
- Jūjutsu / Jujutsu (柔術) – Die Kunst der Nachgiebigkeit: Der Oberbegriff für die klassischen waffenlosen Kampfsysteme der Samurai (Hebel, Würfe, Nervenpunktschläge).
- Taijutsu (体術) / Koppōjutsu (骨法術) – Körpertechniken bzw. Knochenbrecher-Techniken als Bestandteil verschiedener Koryū-Schulen.
- Sumai (素舞/相撲) – Die historische Urform des Sumō-Ringsports.
Koryū mit Waffen (Buki-jutsu)
- Kenjutsu (剣術) – Die klassische Kunst des Schwertkampfes (bekannte Schulen: Niten Ichi-ryū, Ono Ha Ittō-ryū, Yagyu Shinkage-ryū).
- Iaijutsu / Battōjutsu (居合術 / 抜刀術) – Die historische Technik des schnellen Schwertziehens im Kampf.
- Sōjutsu (槍術) – Die Kunst des Speerkampfes (Yari).
- Naginatajutsu (薙刀術) – Die klassische Kunst des Hellebardenkampfes.
- Bōjutsu (棒術) & Jōjutsu (杖術) – Kampftechniken mit dem Langstock (Bō) oder Kurzstock (Jō).
- Kyūjutsu (弓術) – Das historische Kriegsbogenschießen vom Boden oder zu Pferd.
- Jittejutsu (十手術) – Kampf mit der Eisengabel (Jitte), oft genutzt von historischen Polizeikräften zur Schwertabwehr.
- Sojutsu / Kusarigamajutsu (鎖鎌術) – Kampf mit der Sichel an einer Kette.
- Shurikenjutsu (手裏剣術) – Kunst des Werfens von Wurfklingen und Sternen.
3. Spezialisierte & Übergreifende Systeme
- Ninjutsu (忍術) / Shinobi-no-jutsu – Die Künste der Aufklärung, Spionage, Verkleidung und des Guerillakampfes des historischen feudalen Japans.
- Sambo / Toshin-jutsu / Kampfsysteme für Einheiten – Moderne militärische Nahkampfsysteme (Gunjin Ryū / Militärischer Nahkampf), die oft Koryū-Prinzipien mit modernen Anforderungen verbinden.
- Yabusame (流鏑馬) – Traditionelles Bogenschießen zu Pferd in ritueller Kleidung.