Deutsches Ju Jutsu

Das deutsche Ju-Jutsu entstand in den 1960er-Jahren aus der Notwendigkeit heraus, für die Polizeien des Bundes und der Länder sowie den Strafvollzug ein modernes, praxisnahes und effektives Selbstverteidigungssystem zu schaffen.

Der historische Hintergrund

Bis Mitte der 1960er-Jahre trainierten deutsche Polizeikräfte überwiegend klassisches Judo und Jiu-Jitsu. Diese Systeme stießen in der Praxis zunehmend an ihre Grenzen:

  • Judo hatte sich stark zum wettkampforientierten Sport entwickelt (Fokus auf Würfe und Bodenkampf nach festem Regelwerk).
  • Jiu-Jitsu lieferte zwar Verteidigungstechniken, beruhte aber oft auf starren, nicht mehr zeitgemäßen Bewegungsmustern.

Gegen moderne Angriffstechniken aus anderen Kampfsportarten boten diese Systeme den Gesetzeshütern nicht mehr ausreichend Schutz.

Die Gründerväter & das Entstehungsjahr 1969

Im Jahr 1967 beauftragte das Bundesinnenministerium erfahrene Budo-Großmeister damit, ein neues, zweckmäßiges Selbstverteidigungssystem zu entwickeln.

Zu den maßgeblichen Pionieren und Gründervätern gehörten:

  • Franz-Josef Gresch
  • Werner Heim
  • Otto Brief
  • Richard Unterberger (u. a. Mitgestalter der ersten Prüfungsprogramme)

Sie kombinierten die wirkungsvollsten Techniken aus den damals etablierten Systemen:

UrsprungssystemEinflüsse & Techniken im Ju-Jutsu
JudoFallschule, Würfe, Hebel- und Würgetechniken, Bodenkampf
KarateStöße, Schläge (Atemi-Techniken), Tritte und Blöcke
AikidoAusweichbewegungen, Hebelwirkung und Weiterleitung der gegnerischen Energie

1969 wurde das System offiziell unter dem Namen „Ju-Jutsu“ eingeführt und im neu gegründeten Deutschen Ju-Jutsu Verband (DJJV) organisiert. Der Name setzt sich aus den japanischen Begriffen Ju (Sanft/Nachgiebig) und Jutsu (Kunst/Kunstfertigkeit) zusammen.

Die Weiterentwicklung: Das Allkampfkonzept (2000)

Ein zentraler Grundsatz des deutschen Ju-Jutsu ist: „Siegen durch Nachgeben“, gepaart mit dem Grundsatz der Ständigen Aktualisierung.

Da Angriffsformen und Kampfsportarten sich im Laufe der Zeit wandelten, wurde das System Ende der 1990er-Jahre grundlegend überarbeitet:

  • Einflüsse moderner Stile: Es wurden Elemente aus dem Philippine Martial Arts (Escrima/Kali/Arnis) für den Stock- und Messerbereich, Kick-/Thaiboxen für die Distanz sowie Wing Tsun (Nahkampf/Kettenfauststöße) integriert.
  • Einführung des 2000er-Regelwerks: Mit dem Prüfungsprogramm „Ju-Jutsu 2000“ wandelte sich der Stil endgültig von einer reinen Kombination aus drei Kampfsportarten hin zu einem offenen, prinzipienbasierten Baukastensystem.

Heute ist das deutsche Ju-Jutsu sowohl eine anerkannte moderne Selbstverteidigung als auch ein vielseitiger Wettkampfsport (z. B. im Fighting SystemDuo System oder Ju-Jutsu Ne-Waza/BJJ).