Yabusame

Yabusame (流鏑馬) – die traditionelle japanische Kunst des Bogenschießens vom gallopierenden Pferd – entstand im Übergang von der späten Heian- zur frühen Kamakura-Zeit (12. Jahrhundert). Es verbindet militärische Ausbildung mit shintoistischer Ritualkunst.

Die historischen Ursprünge

  • Kritischer Mangel im Militär: Nach den langwierigen Genpei-Kriegen stellte der erste Shōgun des Kamakura-Shogunats, Minamoto no Yoritomo (1147–1199), fest, dass die Treffsicherheit und Reitkunst seiner Samurai stark nachgelassen hatten.
  • Einführung als Training (1187): Um Disziplin, Fokus und Präzision seiner Krieger zu schulen, ordnete Yoritomo ein intensives Training im abgesessenen und aufgesessenen Bogenschießen an. Die erste historisch dokumentierte Yabusame-Zeremonie fand 1187 am Tsurugaoka Hachimangū-Schrein in Kamakura statt.
  • Shinto-Verbindung: Yoritomo verknüpfte die Übung von Anfang an mit dem Shinto-Glauben: Das Treffen der Zielscheiben galt als Omen für Frieden, reiche Ernte und den Schutz vor Unheil durch die Kami (Götter).

Das Ritual und die Technik

Beim Yabusame galoppiert der Reiter (Ite) eine etwa 200 Meter lange Strecke entlang und muss in voller Fahrt mit einer Holzpfeilspitze drei quadratische Holzziele (Mato) treffen.

  • Ausrüstung: Der Schütze trägt traditionelle Jagdkleidung der Kamakura-Zeit (Hunting Garb / Karitaginu) und nutzt einen langen japanischen Bogen (Yumi).
  • Fokus: Es erfordert außergewöhnliche Rumpfstabilität, da der Reiter in den Steigbügeln steht (Kukai), ohne den Sattel zu berühren, um die Stöße des Pferdes abzufangen.

Wandel zum Kulturgut

Mit dem Aufkommen von Feuerwaffen im 16. Jahrhundert verlor Yabusame seine militärische Relevanz als Gefechtsausbildung. Dank Traditionsschulen wie der Ogasawara-Ryū und der Takeda-Ryū blieb die Kunst jedoch als rituelle Vorführung und lebendes Kulturerbe Japans bis heute erhalten.