Die Geschichte des Sumo reicht weit über 1.500 Jahre zurück. Seine Entwicklung lässt sich in vier wesentliche Phasen unterteilen: von einem religiösen Rituale über höfische Zeremonien und militärisches Kampftraining bis hin zum modernen Profisport.
1. Religiöse Wurzeln im Shintoismus
Sumo entstand ursprünglich als religiöses Ritual des Shinto-Glaubens:
- Erntedank & Besänftigung der Götter: Die ersten Kämpfe dienten dazu, die Kami (Götter und Geister) zu unterhalten und eine gute Ernte zu erflehen oder das Wetter vorherzusagen.
- Mythologische Erwähnung: Die älteste schriftliche Erwähnung findet sich im Kojiki (Chronik alter Ereignisse, 712 n. Chr.). Dort wird ein mythischer Zweikampf zwischen den Göttern Takemikazuchi und Takeminakata beschrieben, der über den Besitz der japanischen Inseln entschied.
2. Höfische Zeremonie (Nara- & Heian-Zeit, 8.–12. Jahrhundert)
Im Laufe der Zeit hielt Sumo Einzug am kaiserlichen Hof:
- Sumai no Sechi: Ab dem 8. Jahrhundert veranstaltete der Kaiserhof jährliche Turniere (Sumai no Sechi).
- Kämpfer aus ganz Japan wurden am Hof versammelt. Die Kämpfe kombinierten sportliche Höchstleistung mit höfischen Riten und dienten weiterhin der Wahrsagung für das kommende Landwirtschaftsjahr.
3. Militärisches Kampftraining (Kamakura- & Sengoku-Zeit, 12.–16. Jahrhundert)
Mit dem Aufstieg der Samurai-Klasse wandelte sich die Funktion des Sumo grundlegend:
- Nahkampf für das Schlachtfeld: Die Kriegerkaste nutzte Sumo als effektives Training für den unbewaffneten Nahkampf (Kumiuchi).
- Verfeinerung der Techniken: Wurfelemente, Hebel und Gleichgewichtsbrechungen wurden systematisiert, um Rüstungsträger im Zweikampf zu überwältigen.
- Oda Nobunaga, einer der bekanntesten Feldherren Japans, war ein großer Förderer des Sumo und veranstaltete massive Turniere mit hunderten Kämpfern.
4. Professionalisierung in der Edo-Zeit (1603–1867)
In der friedlicheren Edo-Zeit entstand die Form des Sumo, wie wir sie heute kennen:
- Kanjin-Zumo: Kämpfe wurden veranstaltet, um Spenden für den Bau oder die Reparatur von Shinto-Schreinen und buddhistischen Tempeln zu sammeln.
- Regelwerk & Ring: Das Regelwerk wurde standardisiert, der kreisförmige Ring (Dohyō) wurde eingeführt und das Amt des Schiedsrichters (Gyōji) etabliert.
- Profi-Organisation: Es bildeten sich erste Berufsverbände und Ställe (Heya), in denen Ringer professionell ausgebildet wurden.
Fazit: Trotz der Modernisierung hat sich Sumo seine sakralen Wurzeln bewahrt. Auch im heutigen Profi-Sumo (Ōzumō) finden sich vor jedem Kampf Shinto-Rituale wieder – etwa das Verstreuen von Salz zur Reinigung des Rings oder das Klatschen der Hände zur Anrufung der Götter.